Wie sich einige sicher schon gedacht haben, bin ich mittlerweile zu einer Entscheidung gelangt.
Ich werde meinen Laden aufgeben.
Eigentlich weniger des Materiellen wegen und ich wäre auch weiterhin gerne selbständig geblieen aber diverse - mir wichtigere - Faktoren haben die Entscheidung in die andere Richtung gelenkt.
Ich war, bevor ich das Rabenschwarz eröffnet habe, ein wirklich zufriedener, glücklicher und in sich selbst ruhender Mensch. Seit ich den Laden habe, hat sich das geändert.
Ich habe nicht mehr die Möglichkeit, Menschen, die mir nicht gut tun und die ich nicht ausstehen kann aus meinem Leben zu halten. Im Gegenteil, ich muss auch noch freundlich zu ihnen sein.
Ich finde es furchtbar, dass Menschen sich nur mit mir unterhalten, weil ich den Laden habe und sie so glauben, sich so Vorteile verschaffen zu können, weil wir plötzlich "Freunde" sind. Und hinter meinem Rücken wird dann dumm daher geredet.
Ich war der Menschheit ja schon immer eher abgeneigt, aber diese Abneigung wächst mit jedem Tag, mit jedem dummen Kommentar, mit jeder abfälligen Bemerkung, die man in dieser kleinen Stadt von den spießigen Bewohnern abbekommt.
Ich habe Schlafstörungen und im Spiegel schaut mich morgens jemand an, den ich nicht kenne.
An 90% der Abende komme ich schlecht gelaunt nach Hause und muss darauf achten, dass sich das nicht auf meine Partnerschaft auswirkt (was sich ja trotz allem nicht verhindern lässt).
Ich bin nicht nur auf Unterstützung durch meinen alten Herren, sondern auch durch meinen Freund angewiesen. Und das will ich nicht.
Ich arbeite 55 Stunden die Woche, habe keinen Urlaub und muss mir dann auch noch anhören, dass ich ja ständig zu habe und wenn denn ein Tag mal frei ist, dann wird gemosert.
Ich habe nur noch finanzielle Sorgen und das, obwohl ich mit sehr, sehr wenig im Monat auskommen kann.
Nachdem ich einen Heulkrampf im Laden bekommen habe und den nicht einmal ausleben konnte, weil ja Kunden herien kommen könnten, fiel mir die Entscheidung dann leicht. Der Gedanke, das Telefon, das Cash-gerät, die Miete und alles andere zu kündigen fühlte sich so gut und so leicht an. Dieser Laden, so schön ich ihn gemacht habe und soviel Hoffnung ich hatte und so viel er mir auch bedeutet, ist meine Gesundheit, mein Glück, meine Partnerschaft und meine Zufriedenheit nicht wert.
Ich mache mir keine falschen Hoffnungen. Bis August einen Job zu finden wird wirklich hart, aber das Rabenschwarz zu behalten noch härter...